Lieselotte Schneider: "Ich würde sagen: Man wird manchmal gelassener"

31.07.2019

Im Teil 2 des Interviews gibt die Seniorchefin manche Anekdote preis und "plaudert aus dem Nähkästchen"

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Dafür haben Sie jetzt viel mehr Berufs- und Lebenserfahrung – und wissen, auf was es ankommt!

Lieselotte Schneider (lacht)… Ja, so kann man das auch sehen. Der Vorteil als Seniorin: Vieles hat man schon erlebt, vieles ist gut gegangen.

Mir fällt da Claudio Pizarro ein von Werder Bremen. Er ist mit seinen knapp 41 Jahren nicht mehr der Schnellste, aber er macht mit seiner Routine viel wett…

Lieselotte Schneider…ja, das stimmt. Claudio Pizarro kenne ich…. (Überlegt): Ich würde sagen: Man wird manchmal gelassener, man hat mehr den Überblick über die Situation.


Worauf legen Sie noch heute viel Wert in Ihrem Arbeitsalltag? Was ist Ihnen wichtig?
Lieselotte Schneider: Wichtig ist für mich der respektvolle und freundliche Umgang miteinander!

Worüber ärgern Sie sich im Job?
Lieselotte Schneider: Die steuerliche Belastung im Mittelstand ist sehr hoch. Das sagen wohl viele. Manchmal denke ich, wir arbeiten nur fürs Finanzamt. Die Bürokratie ist teilweise sehr ausgeprägt. Manchmal frage ich mich, wozu all die Statistiken gut sein sollen. Das hat im Laufe der Jahrzehnte sehr zugenommen.


Schlechte Stimmung bekommen Sie, wenn…

Lieselotte Schneider: ….wenn Anrufer mit einem rüden Ton und Gemotze am Telefon sind (lacht)… Ehrlich! Man sollte zumindest ein wenig Respekt voreinander haben.

Wie reagieren Sie dann?
Lieselotte Schneider: Also, wenn jemand bei uns anruft und denkt, er muss gleich loslegen… dann mache ich eine Pause und schnaufe durch (lacht)..

um dem Gesprächspartner ein wenig Tempo rauszunehmen?

Lieselotte Schneider: Ja, genau! Damit mache ich deutlich: Erst einmal die Ruhe bewahren und selber mal durchatmen – und entspannen!

Die Bereitschaft, immer wieder dazuzulernen, ist für mich sehr wichtig!

Wenn Sie heute jungen Azubis bzw. Mitarbeitern von Uhl einen Rat geben für ihre zukünftige Tätigkeit, wie würde dieser lauten?

Lieselotte Schneider: Zunächst mal möchte ich jedem jungen Erwachsenen mit auf den Weg geben, dass Stillstand Rückschritt bedeutet. Also: Die Bereitschaft, immer wieder dazuzulernen, ist für mich sehr wichtig! Sich auf dem auszuruhen, was man einst gelernt und gemacht hat, ist zu wenig. Solche Einstellung gilt natürlich auch für mich. 


Mit 66 Jahren…. gibt es ein "endgültiges Datum" bei Ihrer Arbeit, das Sie für sich selbst festgelegt haben?

Lieselotte Schneider: Eigentlich beziehe ich schon seit 1. Januar 2019 Rente. Ich kann sagen: Ich lasse es gerade auslaufen. Meine Mitarbeiter sind ja auf Zack. Im September werde ich das erste Mal „Oma“. Da verschieben sich die Prioritäten.


Ihr größter Wunsch, wenn es um die Zukunft Ihres Familienunternehmens geht?
Lieselotte Schneider: …dass die Firma immer gut dasteht – und die nachfolgende Generation unser Unternehmen gut in die Zukunft führt. Das wünsche ich mir.


Womit kann man Ihnen eine besondere Freude machen - privat und im Job?
Lieselotte Schneider: Ich freue mich sehr darüber, wenn ich erkenne, dass die Mitarbeiter mit Freude ihre Arbeit machen – und eben nicht griesgrämig sind. Ansonsten bin ich gerne mit meinem Mann an der Mainschleife unterwegs und mache dort einen Spaziergang durch die Weinberge – rund um Volkach, Nordheim und Sommerach. Unser Hund ist meistens dabei. Und danach gibt es einen Schoppen und eine Brotzeit…. (Lacht)


Was bringt Sie gelegentlich "auf die Palme"?

Lieselotte Schneider: Wenn ich manchmal die Zeitung früh aufschlage… diese schlechten Nachrichten! Mein Mann sagt manchmal: Du wirst schon wie Deine Mutter (lacht)….. So manche Ungerechtigkeit in der Welt nervt mich.


Zu Ihrer Freizeit…
Lieselotte Schneider: Ich spiele leidenschaftlich gerne Tennis, allerdings nicht mehr in der Punktrunde. Wir tun aber so, als wären wir eine. Das ist nach wie vor eine schöne Damengruppe. Kürzlich waren wir in Andalusien auf Trainingslager. Natürlich wird es in Zukunft immer weniger Training geben, dafür gibt es mehr „Drumherum“ (lacht).


Reisen Sie gerne?

Lieselotte Schneider: …also ich bin auch gerne daheim! Ich muss nicht gleich mehrere Wochen im Ausland meinen Urlaub verbringen. Bayern, Österreich, Südtirol… wichtig ist mir, unseren Mittelschnauzer Lizy mitzunehmen. Ich höre immer wieder von Touristen: Ihr habt es doch so schön in der Region um Würzburg und sie bewundern unser Frankenland. Was ja auch stimmt.

Ihr Lebensmotto?
Lieselotte Schneider: Leben und leben lassen…. (überlegt)… und vielleicht: Bescheidenheit ist eine Zier!


Manche ergänzen diesen Spruch mit: ...weiter kommt man „ohne ihr…“
Lieselotte Schneider: … (lacht)…

Was würden Sie entgegnen?
Lieselotte Schneider: Das mag manchmal schon zutreffen! Ich würde es dennoch nicht als Fehler bezeichnen, wenn man in manchen Situationen bescheiden bleibt. Ganz sicher nicht! 


Ich bedanke mich für das Gespräch!

Das Interview führte Stefan Beck (Pressebeck.de)

Bild oben - Lieselotte Schneider (Uhl GmbH)