150 Jahre Uhl: Ein Rückblick in die Vergangenheit – Teil 3

09.11.2020

Warum sich Monteure nachts um den Motor des Autos legten!

Bei weiter entfernten Auswärtsaufträgen schliefen die Monteure aus Kostengründen, aber auch aus Ermangelung an günstigen Hotels, schon mal dicht gedrängt auf der Ladefläche des Montagefahrzeugs. Gegen Regen schützte eine Plane, die über auf der Pritsche befestigten Holzstützen gelegt wurde. Drehte sich ein Monteur in der Nacht auf die andere Seite, mussten es ihm die Kollegen gleichtun. In kälteren Nächten legten sich die Monteure zum Aufwärmen um den laufenden Motor.

Josef Schneider war Gründungsmitglied und lange Jahre 2. Vorstand der DJK Würzburg. Es war gängige Praxis, dass er für die unterschiedlichsten Abteilungen des Vereins seine Montagewägen für Auswärtsveranstaltungen zur Verfügung stellte. Häufig standen diese am Montagfrüh mit leerem Tank oder gar mit Blech-, Getriebe- bzw. Motorschäden auf dem Betriebsgelände.


Walter Bauer erinnert sich weiter: "Als die Firma sich noch in der Innenstadt befand, mussten die Lehrlinge mit dem Firmenfahrrad die Brotzeit für die Gesellen einkaufen und waren damit zweimal am Tag jeweils eine Dreiviertelstunde beschäftigt. Sofern der Lehrling nicht rechtzeitig zur Pause da war, gab es schon mal auf die Ohren. Für die Lehrlinge war der Job heiß begehrt, schließlich gab es Trinkgelder von den Gesellen. Sie selber konnten sich bei ihrem kargen Lohn nichts dergleichen kaufen und mussten sich mit Margarinebroten von daheim begnügen." Im Gegensatz dazu fahren heute die Verkaufswägen der Bäcker und Metzger direkt die Firmen an.


Firmensafe wird im Weinberg am Stein wiedergefunden

Der Lohn wurde damals noch in bar ausbezahlt, an die Lehrlinge einmal im Monat, an die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Vorschuss wöchentlich. Nicht selten wurde das Geld umgehend in der legendären Kneipe "Quick" in der Spiegelstraße verprasst, während die Ehefrauen daheim vergeblich auf das fest eingeplante Haushaltsgeld warteten. Einmal wurde tatsächlich der Firmensafe mit den Lohngeldern gestohlen und aufgebrochen in den weltberühmten Weinbergen "Am Stein" wiedergefunden.

Mühsam war auch das tägliche Händewaschen nach dem Feierabend. Erst als man eine drei Meter lange Wanne aus verzinktem Stahlblech anfertigte, entspannte sich die Situation. Zuvor musste sich die 30- bis 40-köpfige Belegschaft eine Toilette mit einem kleinen Guss ohne Spiegel teilen, was zu langen Schlangen führte. Dabei hatten die Lehrlinge grundsätzlich zu warten, bis die Gesellen fertig waren.


Da der Betrieb in den 60er-Jahren noch über keine Kräne verfügte, war körperlich schwere Arbeit an der Tagesordnung. Es wurden hauptsächlich Stahltüren und Geländer - meistens für Autobahnbrücken - angefertigt und sonstige Schlosserarbeiten ausgeführt. Auftraggeber waren vor allem die Bauämter. Bei Aufträgen des bischöflichen Bauamts wurde stets vermerkt, dass die Arbeiten in "meisterlicher Arbeit" auszuführen sind. Dieser Hinweis führte dazu, dass die Arbeiten stets von Günther Scharnberger ausgeführt wurden, der die Vorgaben laut eigener Erinnerung meistens übertraf.


Stahlteile werden auf Straße lackiert


Aus Platzgründen wurden Stahlteile zumeist auf der Straße grundiert bzw. lackiert. Nicht selten beschwerten sich Mitarbeiter darüber, dass ihr Fahrzeug auf dem angrenzenden Parkplatz abends mit einem diffusen Farbfilm versehen war. Das Kopfsteinpflaster war durch die jahrelangen Lackierarbeiten mit den unterschiedlichsten Farbtönen derart "verziert", dass es von zahlreichen Touristen fotografiert wurde - zusammen mit dem bekannten Firmenslogan, der eine Seite der Werkstattwand zierte:


"Ein Schloss zu Tür und Kasten gibt´s hier zu jeder Stund, doch was ich nicht kann machen, sind Schlösser an den Mund. Denn wenn an jedem bösen Mund ein Schloss gemacht müsst werden, dann wär die edle Schlosserei das best Geschäft auf Erden."


Das Archivbild oben zeigt den alten Firmensitz in der Bibrastraße in Würzburg. Foto. Uhl GmbH.

Dieser 3. Rückblick ist der letzte Teil unserer Serie anlässlich des 150-jährigen Firmenjubiläums.